Mittwoch, 31. Dezember 2014

2014 erfragt


2009, 2010, 2011, 2012, 2013.

Zugenommen oder abgenommen?
Potentiell gleichgeblieben, wenn nicht doch wieder zugenommen. Find the pattern.

Haare länger oder kürzer?
Länger, aber immer noch ohne Pferdeschwanz.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ähnlich, wenn nicht weniger. Keine großen Urlaube, dafür summieren sich ein paar kleine. Ein paar leider unvermeidbar teure England - Deutschland Flüge, allerdings kein großen Anschaffungen. Der Umzug ins Ausland größtenteils firmengesponsert. Geht sich irgendwie schon aus.

Mehr bewegt oder weniger?
Gleich, denke ich - Highlights dieses Jahr die wieder ins Leben gerufene Radtour mit der Gang im Altmühl und die kurz darauffolgende Mainkanaltour mit den Freunden aus Köln. Und dieses Jahr anteilig wieder mehr laufen gewesen, inklusive Wettbewerb! Jaja!

Der hirnrissigste Plan?
Den Fernbus als adequates und preiswerteres Beförderungsmittel einsetzen zu wollen. So verlockend 26 Euro für zwei nach Ljubljana sind, kann man das darauffolgende (immerhin lustige) Schneckengegurke in Richtung istrischem Ferienort nicht unter den Tisch fallen lassen. Und wenn einen zur Weihnachtszeit der bulgarische Fahrer nicht in der Passagierliste findet, tja, dann bleibt man schlichtweg zurück und bucht dann doch den überteuerten Flug nach Hause...

Oder doch das Wagnis Job-, Wohnungs-, Heimatswechsel einzugehen, weil die Stellenanzeige auf Twitter (!) so nett klingt? Und den Ehemann gleich mit entwurzeln, man hat ja sonst nix Besseres zu tun?

Die gefährlichste Unternehmung?
In England über die Straße gehen. Man guckt einfach immer in die falsche Richtung.

Die teuerste Anschaffung?
Die Umzugsjungs aus Bottrop.

Das leckerste Essen?
Fish and Chips im Old Spring. Scones, Pimms, English Afternoon Tea bei der lieben Frau B. Muscheln und Feigen in Rotweinsoße in Istrien von H*i, Laotisches im Mémoires d´Indochine in Mannheim. Die Wiederentdeckung von Blaukraut im Salat. Lasagne und Tafelspitz bei der Lieblingsfreundin.

Das beeindruckendste Buch?
Zadie Smith: 'White Teeth'. Nennenswert ansonsten noch Grass' Blechtrommel und tatsächlich Roth' 'Divergent' als Genrebuch. Qualitativ ein okayes wenn auch unaufregendes Lesejahr. Dass nicht mehr Auswahl an guten Leseerlebnissen da ist, liegt auch daran, dass ich so wenig gelesen habe wie noch nie. Trotz des stressigen Umzugs bin ich etwas fassungslos, um ehrlich zu sein.

Der ergreifendste Film?
'Nebraska' (2013), mit Abstand, Payne halt, hach. 'Gravity' (2013) war stark beeindruckend, auch 'Her' (2014) durchaus sehr genossen. Der Januar war noch ein guter Kinomonate, dann wurde es wieder mau, allerdings mit hoffungsfroher Tendenz; immerhin sind wir jetzt Mitglieder im Arts Picturehouse Cambridge...
Erwähnenswert weil wieder stärker konsumiert: Serien, mit dem Schatz, oder auch allein: Orphan Black (2013-), Battlestar Galactica (2004-2009), Downton Abbey (2010-), How to get away with murder (2014-); die vierte Staffel von Game of Thrones kann man sicher auch erwähnen.

Das ergreifendste Theaterstück?
Das Theaterabo nicht ganz ausgenützt, und dann weitergereicht, wo es hoffentlich viel Freude bereitet. Dennoch sehr genossen - herausragend die Inszenierung des Regent Park Theatres von 'To Kill a Mockingbird', beeindruckend der Wechsel der Schauspieler zwischen Rolle und eigenem Vorlesen, die minimalistisch heimelige Bühne, die tolle Atmosphäre, die nette Gesprächsrunde mit den Schauspielern zu Ende. Und eh ein Lieblingsbuch. Gut verrückt ansonsten Jean Paul im Marstall und das Tanztheater von Alain Patel.

Die beste CD?
Die wahrscheinlich einzig beiden neuen CDs überhaupt, die ich gehört habe, waren gleichzeitig ganz wundersame welche: Markus Wiebusch Soloalbum 'Konfetti' und 'Rocket Spaceship Thing', das zweite Album von We Invented Paris. Beides hoch- und runtergehört, auch live (s.u).

Das schönste Konzert?
Oh, viele schöne, München nochmal gut ausgenutzt. Im Doppelpack sowohl Markus Wiebusch [1][2] im Ampere als auch 'We Invented Paris' [1][2] im Strom und im E-Werk. Großes Spektakel mit The National im Zenith, und dann (fast) ganz zum Schluß noch in der Kongresshalle von einem alten Freund zu Erlend Øye mitgenommen worden. Ein Traum!

Die meiste Zeit verbracht mit ...?
Einem einzigen großen Hotfix Release in der Arbeit. Verabschieden und Ankommen. Und gefühlt übers Jahr verteilt entspannt nochaml alle wichtige Leuten gesehen oder erlebt vorm Umzug.

Die schönste Zeit verbracht mit ...?
Dem kleinen Patenkind. Dem aus dem Fenster schauen in der neuen Wohnung. Den Freunden und der Familie, im Roundup zum Schluß, auf den Hochzeiten, zur WM, zu Kino, Bier, Konzerten, quatschen, Fahrradtouren, dem Haus in Istrien. Dem sich freuen, gemeinsam, mit dem Schatz. Dem neuen Chef in den Bewerbungs- und Pubgesprächen. Der Lieblingsfreundin im neuen Weinlokalwohlfühlort in der neuen Heimat. Der Mutter in Florenz und dem Schatz in Vendig - weil die Italiener wissen, wie's geht.

Vorherrschendes Gefühl 2014?
Das soll so, wirklich, eindeutig.

2014 zum ersten Mal getan?
Ausgewandert. Meetups besucht. Pimms getrunken. Schwiegermutterleichengedaechtnisschmauss. Eine (Berg)Hochzeit gecrasht. Einer Band auf Tour hinterhergereist. Als Knochenmarkspender registriert. Bücher verkauft. Einer regelmäßigen Pubquizrunde angehört, im besten Pub der Welt. Weihnachten mit Ehemann bei den eigenen Eltern zu Hause. Bewerbungsgespräch im Ausland und was so dazu gehört - Fahrer am Flughafen, Übernachtung im College, Telefon- und Videointerview, Testaufgaben. Performancetests aufgesetzt, verantwortlich, in großem Stil. Möbel, Kisten, Bücher untergestellt. Feuerwerke gesehen und gut gefunden (Ferragosto). Olympia vollkommen ignoriert. Aktives Konto auf Github mit erstem Pull Request und eigenen Projekten gepflegt (noch lahmen, allerdings). Mit Freunden in ein Haus am Meer gefahren zum gemeinsamen Urlaub. Die Kaltmamsell auf der Straße getroffen. Feierabendbier auf der Hackerbrücke. Im neuen Monopol gewesen. Wichtige Freunde auf die Weltreise verabschiedet. Ge-whats-apped. Guy Fawkes Day gefeiert. Ein Konto im Ausland eröffnet. Mitglied im National Trust geworden. Eine Whisky-Runde beherbergt. Auf dem Hacker-Kongress erkannt worden. Perl und PHP programmiert.

2014 nach langer Zeit wieder getan?
Im Erlanger E-Werk gewesen. Eine Umzugsfirma beauftragt. Einen Bibliotheksausweis beantragt. Eine Fahrradtour mit der Gang gemacht, ins Altmühltal. Shenja Lacher im Theater gesehen. Singsstar gespielt, zu Silvester. Eine Abschiedsparty gefeiert. Umgezogen. Sich beworben. Richtig, richtig Spaß am Testplanen, -konzeptionieren und Testen gehabt. Venedig besucht, mit dem Schatz. Ein Jahresprojekt vollkommen vergurkt (Antike). Mit der Mutter in Kurzurlaub, nach Florenz. Deutschland als Weltmeister gefeiert (auf der Couch eingeschlafen). Weniger als 20, sogar weniger als 15 Bücher gelesen - das kam das letzte Mal wohl so Mitte der 80er vor. Neue Laufschuhe gekauft und bei einem Laufwettbewerb mitgelaufen (und als letzte ins Ziel :-D). Einen Kuchen gebacken. Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste besucht. Im e-caffè gewesen. Mit einer alten Dampflok gefahren. An der Isar gegrillt. Alte Arbeitskollegen getroffen - das erste Redaktionsteam zur Hochzeit, ehemalige IT Kollegen aus den vorherigen Firmen. Sich einen Lebenstraum erfüllt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Not-my-department Einstellungen. Die regelmäßigen Mandelentzündungen in der ersten Jahreshälfte. Den schlimmsten Go-Live und Arbeitstag als Tester.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Weggehen heisst nicht, dass wir weg sind aus eurem Leben.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Gemeinsam nach England zu gehen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Einige, dieses Jahr: Enthusiastisch mitzugehen in die neue Heimat. Mir nachzureisen, zum Geburtstag. Die Leute auf der Abschiedsparty, aus allen Phasen, da, für uns. Die offenen Arme beim ersten Heimatsbesuch. Das bedingungslose Vertrauen des neuen Chefs. Die Abschiede aus der alten Firma, personalisierte QA-Tasse und Kiste Bier. Die Unterstützung und das Verständnis, bei Planung und Umzug. Die andauernde, beindruckende Freundlichkeit in der neuen Umgebung. Die Pläne von Freunden und Familien für Besuche in der neuen Heimat.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
"If you're going to be at a loose end on the sunday evening I'd be happy to meet you for a drink."

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
...? Kann ich nie sagen. Hoffentlich gabs welche!

2014 war mit einem Wort ...?
Anders als gedacht.

Vorsätze für 2015 ...?
Mehr lesen. Ruderkurs besuchen. Den Besuchen eine schöne Zeit bei uns machen. Die National Trust Mitgliedschaft nutzen, am liebsten mit Sommerurlaub. Meinen Chef nicht enttäuschen. Weniger ich. Kontakt halten. Zeit nutzen. Volunteering.

Dienstag, 30. Dezember 2014

Bücher: Juli - Dezember 2014

"Das war dann wohl das Jahr, in dem ich die wenigsten Bücher gelesen habe, seit ich lesen kann." (Kaltmamsell) - an der desaströsen zweiten Jahreshälfte wird es erst richtig deutlich.

12) Zadie Smith: White Teeth**
Das wollte ich seit Urzeiten lesen - ziemlich seit es rauskam und von L. angepriesen wurde. Zu Recht. Ich kann mir kein Buch vorstellen, das nicht nur die Zeit (40er, 70er, 80er, 90er) als auch verschiedene Grade von (englischer? religiöser?) Verrücktheit? überzeugend darstellt während es zugleich die vielfältigen Lebensräume im Melting Pot Londons glaubhaft vermittelt. Großartiger Einblick, der gut gegliedert erzählt wird - mit in den verschiedenen Teilen altersgemäß wechselnden erzählerischen Blickpunkten der beiden Freunde Archie und Samad, Clara und Alsana, Irie, Magid, Millat und den Chalfens.

13) Neil Gaiman: Brief Lives (Sandman VII)**
Wieder zusammenhängend wird hier die Suche Deliriums nach ihrem Bruder Destruction beschrieben, die recht bald auch Dream mit einbezieht. Neben den beiden tauchen alle Endless, wie auch Orpheus auf und manche Nebenfiguren, die wieder mehr Einblick in Hintergrundgeschichte geben. Sehr genossen.

14) Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen*
Als die Netsuke Sammlung der Familie in die Hände Edmund de Waals gelangt, beschließt dieser, seine Tontöpferwerkstatt vernachlässigend, ihrer Geschichte durch Wien, Paris, Odessa und Tokio hin nachzugehen. Er umspannt fünf Generationen der Familie Ephrussi und die Jahre 1871 bis 2009, teils angereichert mit Zeugnissen der Familie, aus literarischen oder historischen Quellen, mit Recherche vorort, wobei Lücken transparent spekulativ gefüllt werden. Durch das Bildmaterial wertvoll angereichert, ist der Stoff unglaublich dankbar und wundervoll - dennoch blieb mir das Erzählen manchmal zu vage.

15) Holly Black, Cassandra Clare: The Iron Trial
Kurz nach Weihnachten zufällig in der Buchhandlung entdeckt und weggeschmöckert - Young Adult, Fantasy, zum runterlesen, aber die Kritikliste ist lang: Harry Potter Style Zauberschüler (zwei Jungs, ein Mädel), die gegen einen dunkeln Magier mit entstelltem Gesicht in Star Wars Maske kämpfen, in Zauberei und Stukturen die leicht an Trudi Canavans 'Black Magician' Reihe erinnern. Die Geschichte selbst erscheint unrund, zu viel wird nur kurz erwähnt, statt erzählt zu werden, so fragt man sich oft im Verlauf der Geschichte was denn aus diesem oder jenem Plotpunkt geworden ist, der nicht vernünftig etabliert wurde. Was erzählt wird, ist dann recht solide, erinnert aber, wie erwähnt, an zu viele andere Geschichten ähnlicher Art oder folgt platten Stereotypen...

Bücher: Januar - Juni 2014

"Das war dann wohl das Jahr, in dem ich die wenigsten Bücher gelesen habe, seit ich lesen kann." - wobei die Kaltmamsell damit immer noch mehr liest als ich in meinen mageren letzten Jahren.

1) Zoë Jenny: Spätestens morgen*
Zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich erinnere mich vage positiv an einen einzelnen magischen Satz aus dem Erstling der Autorin, dem Blütenstaubzimmer. Ich erinnere mich quasi überhaupt nicht mehr an dieses Buch, aber dass ich meiner Mutter berichtet habe, dass es mir gefallen hat - dann hat es wohl.

2) Richard Ford: Kanada**
Ein Fund aus der Winterlesung 2012 im 'Buch in der Au', vorgestellt von Sabine Kastius. Eigentlich dem Schatz vermittelt, spielt es doch in Saskatchewan, wo er ein Jahr zur Schule verbrachte, dem es sehr gut gefallen hat, so landete es im Folgejahr auf meiner Winterliste. Rückschau mit einem halben Jahrhundert Abstand: Nachdem eher unerwarteterweise die Eltern ein Bank überfallen und recht zügig dafür festgenommen wurden, wird der Protagonist, der 15 jährige Dell, von einer Bekannten in die kanadische Provinz gebracht. Hier wächst er aus dem ehemals bürgerlichen Elternhaus in Nähe von Kriminalität und Mord auf. Das Buch lebt von den teils qualvollen deutlichen, naturlistischen Beschreibungen; die (glaubwürdige) Skurilität bricht durch den Erzählstil gekonnt durch, ohne ins komische abzudriften - durchaus eine große Erzählung.

3) Hesiod: Theogenie**
Viel mehr ist aus dem Antikeprojekt dann auch nicht geworden, die Theogenie aber immerin die Quelle griechischer Mythologie. Hatte ich im Studium schon mal gelesen, zum passenden Thema 'Anfänge', und wieder gerne. Lehrgedicht in Hexametern. Am Besten laut vorlesen.

4) Muga Mobo: 100 Meisterwerke der Weltliteratur*
... als Comic, das auf einer DIN A4 Seite jeweils ein literarisches Werk darstellt. Teils richtig gut, soweit ich das beurteilen konnte, ansonsten liest / schaut sichs aber auch einfach nett runter.

5) Veronica Roth: Divergent*
Young Adult, sehr gut verfilmt, so kam ich drauf. Liest sich durchaus gut weg, rund erzählt, gute Charaktere. Gern gelesen, aber auch hier, wie bei 'The Hunger Games' kein wirkliches Bedürfnis, die nächsten Bände der Trilogie zu lesen.

6) Hesiod: Werke und Tage**
Auch das ein episches Lehrgedicht in Hexametern, das uns neben den griechischen Mythen aber auch viel praktisches Wissen für die Landwirtschaft vermittelt.

7) Tolstoj: Der Tod des Iwan Iljitsch**
Treffender Title, russisch schön erzählt. Es beginnt mit dem Bericht der Todesfeier Iljitschs aus der Sicht eines Kollegen, um dann das Leben und die letzten Monate des Protagonisten aus der Innenperspektive mit immer stärker verkürztem Erzähltempo darzustellen. Großartig.

8) Johann Wolfgang v. Goethe: Italienische Reise*
Nach Jahren dann mit langem Atem in Venedig passend zu Ende gelesen. Kein überinterpretierbares Werk, aber als solches wohl auch nicht zu verstehen - Goethes Reisetagebuch, allerdings erst später getrimmt, stilisiert, entpersönlicht - ohne aber den Tagebuchcharakter zu verlieren.

9) Neil Gaiman: Fables & Reflections (Sandman VI)**
Eine Sammlung kurzer, eigenständiger Geschichten, unter anderem mit und über Daniel Hall, Orpheus, Werwölfe, Marco Polo, Caesar, Robespierre, Johanna Constantine.

10) Saša Stanišić: Vor dem Fest**
Ah. Wer hätte gedacht, dass Stanišić Nachfolgeroman des Erstlings Grammofon-Soldaten um den Krieg in Ex-Jugoslawien so wenig autobiographisch ist? Lange darauf gehofft, spielt der Band in der Uckermark und beschreibt den Vorabend vor dem Dorfest aus verschiedensten Perspektiven der Bewohner des Dorfes. Sprachlich großartig, thematisch auch mal ins leicht mystische ragend erinnert das Buch leicht an Ransmayer (das hört er möglicherweise nicht gerne) und Haas (das hört er sicher gerne). Schön. Einzige Hoffnung: Nicht wieder acht Jahre auf den nächsten Roman warten (aber lieber was lange währt ...).

11) Günter Grass: Die Blechtrommel**
So, jetzt endlich auch gelesen. Die unglaubliche Geschichte des nicht wachsen wollenden, trommelnden Oskar Matzerath nüchtern erzählt vor dem Hintergrund Danzigs vor und während des zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit im Rheinland. Nicht zuletzt der Erzählerstimme geschuldet ist das Buch folgerichtig oft unheimlich gruselig-ekelig und hinterläßt alles andere als ein Wohlgefühl - gute Bücher können, dürfen, müssen das, von daher kein persönlicher Liebling, aber großer Respekt.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Derby


'Looking Up', Sunderland supporters at Roker Park, Stuart Roy Clarke, Wikipedia.

Wer sich fragt, was der Schatz so am Wochenende zu erzählen hat: Von einer neuen Auflage des größten aller Derbys, des North-East Derby Newcastle United - Sunderland AFC. Über 90 Minuten war ein faszinierendes Spiel zu sehen, mit Chancen auf beiden Seiten. In der zweiten Hälfte liegt eher die Führung für Newcastle in der Luft. Sunderland mit nur einer guten Konterchance, die am Ende von Adam Johnson vergeigt wird. In der 88 Minute dann die Großchance für Newcastle. Distanzschuß Sissoko, den der Sunderlander Towart Costel Pantilimon, der größte Spiel der Premier League, mit den Fingerspitzen übers Tor lenkt. In der darauffolgenden Ecke - abgeblockt - gewinnt Sunderland den Ball am eigenen Strafraum, Adam Johnson mit Drang in die gegnerische Hälfte wird zweimal attackiert, hält den Ball und findet links Fletcher. Flanke auf den langen Pfosten zu Buckley, der den Ball auf Johnson zurücklegt. Dieser hält sofort drauf und schießt unten rechts zum 1:0 ein. Sunderland rettet das Ergebnis über die fünfminütige Nachspielzeit. Damit sind wir beim dritten Auswärtssieg des Derbys in Folge für Sunderland - in des jeden Adam Johnson ein Tor geschoßen hat. Johnson übrigens, ganz im Gegensatz zu seiner Familie, als ehemaliger Balljunge anno duz eingefleischter Newcastle Fan, der Sunderland damit zu einem neuen Record verhilft: Erstmalig ein vierter Sieg in Folge gegen Newcastle.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Dinge zum Vermissen

Stellvertretend für die Münchner Theater allgemein, aber Shenja Lacher passt da halt sehr gut.


Kurt-Meisel-Preis 2014 für Shenja Lacher from Residenztheater on Vimeo.

Twitter Timeline 11/14

Montag, 8. Dezember 2014

The fantastic day


Der großartige Tag hat mich, irgendwie, über Kanada nach England geführt - und damit nun seine Schuldigkeit getan. Seit Juni 2013 erfreute er uns in Nachfolge der glücklichen Katze, des unbekannten Films, des bekannten Racheengels und der unbekannten Kuh. Was eine fantastische Zeit!

Sonntag, 7. Dezember 2014

Mill Road Winter Fair








[1][4][5] Karnevalsumzug auf der
[2] Mill Road Winter Fair, jeden ersten Samstag im Dezember, zu der die Mill Road von East zu Colerdige Road, inklusive Hinterhöfen und Seitengassen komplett belebt ist.
[3][8] Live Musik (und Glühwein) im Hope Street Yard
[6] Die großartigen Brass Funkeys
[7] erfreuen ebenso wie die lustigen, bunten, tanzenden Menschen allerorten...

Samstag, 29. November 2014

1) Wie ist das Wetter in Cambridge, verglichen mit München?

"Du ziehst nach England? Na ja, du stehst ja auf Kälte und Regen, Ha ha!" - Ja, genau. Ich gebe euch mal Ha ha. Ich hab mir das nämlich genauer angesehen, und die Wirklichkeit sieht so aus:


Ständiger Regen:
  • Cambridge liegt in der trockensten Region Englands, mit einem jährlichen Niederschlag von 576 mm, etwa der Hälfte des nationalen Durchschnitts
  • Zum Vergleich: München hat einen jährlichen Niederschlag von 946 mm. Kurz sacken lassen?
  • Nochmal: jährlicher Niederschlag in Cambridge: 576mm. In München: 946mm. ... ! ...
  • Manchmal fällt Cambridge übrigens auch unter 500mm, das letzte mal 2011 mit sogar nur 347mm
  • 2012 war dann dafür das nasseste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen mit 812mm
  • Das Cambridge Höchstnass (812mm) ist damit immer noch trockener als der Münchener Schnitt (wir erinnern uns: 946mm)
Soviel zum Regen. Jetzt zur Kälte:
  • Cambridge zeichnet regelmäßig für die höchste Temperatur in England verantwortlich (bspw. 30.2° im Juli 2008, 30.1° im August 2007)
  • Der Cambridger Juli 2006 mit einer Durchschnittstemperatur von 28.6° zählt als heißester Monat irgendeiner englischen Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen
  • Höchsttemperatur in Cambridge waren 36.9° am 10. August 2003
  • Das schwappte rüber nach München, hier wurden 37.1° am 13 August verzeichnet
  • Wenn es also unerträglich heiß in Cambridge ist, ist es in München höchstens noch unerträglicher
  • Aber es geht auch in kalt, 1879 wurden in Cambridge mal -17.8° verzeichnet.
  • In München dafür lockere -31.6° am 12. Februar 1929
  • -31° vs. -17° heißt, wenns richtig kalt ist, ists in München immer noch fast doppelt mal viel kälter als wie in Cambridge! (*hüstel*)

Das gibts auch übers Jahr verteilt in Bildern [1]:




Ich weiß, ich weiß. Sieht man nicht so ganz scharf, muss man auf die Bilder klicken. Aber ich geb mal die Kurzzusammenfassung:
  • In Cambridge ists im Sommer nicht ganz so unerträglich wie in München, sondern etwa 1-2° angenehm weniger heiß
  • Im Frühling, Herbst und Winter ists gemäßigter und nicht ganz so kalt (Nov, Dez, Jan, Feb sind im Schnitt 4° wärmer, Schultermonate Mar, Apr sowie Sep, Okt immerhin noch 2° wärmer)
Das mit dem Regen hatten wir schon, interessant ist hier aber noch die sehr unterschiedliche Verteilung:
  • In Cambridge ist die Niederschlagsmenge immer ähnlich - äh - niedrig (um die 45mm pro Monat mit wenigen 34mm im Februar und einem Höchstwert von 57mm im Oktober)
  • In München hingegen schlägt es ziemlich aus (von wenigstens 45mm im Februar bis zu etwa dreimal soviel im July: 132mm Niederschlag!)
Kälte und Regen, ja genau!

Okay, okay. Ein Postskriptum zur Sonne [2]:
  • München hat 1700 jährliche Sonnenscheinstunden, Cambridge etwas weniger mit knapp 1500
  • Nur im Dezember (hehe. übermorgen!) hat Cambridge monatlich mehr Sonnenschein als München (49.3 vs. 49.0 Stunden)
  • Im Sommer wird der Unterschied beträchtlich mit bis zu 30 Stunden Sonnenschein mehr im Juni, August und September
  • ... und um die 50 Stunden im Juli! (Sonnenschein in München: 237 Stunden, Cambridge: 187.6)

Tja. Muss an diesem ständigen Regen liegen, dass es soviel weniger Sonnenschein in Cambridge gibt als in München ^^

[1,2] Klimaübersicht aus den Wikipedia Artikeln zu Cambridge (Quelle: [1] KNMI [2] Met Office) und München (Quelle: [1,2] World Meteorological Organisation).

Disclaimer 24-01-2015: Dieser Blogpost hieß mal Weatherwax. Passt aber zu gut ins Jahresprojekt, und wird deshalb infam umgewidmet ;)



Filme November 2014

The Imitation Game (2014)
Liest man diesen Artikel des Guardians weiß man schon deutlich mehr über Alan Turings Leben als wenn man sich den zwei Stunden langen Film von Morten Tyldum ansieht. Schöne Bilder, dünner Plot, das können die bekannten Gesichter (Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Charles Dance) nicht rausreißen, eher hat man das Gefühl, sie verdecken es noch. Anriss der Schulzeit Turings, ausführliches Geschehen im Hut 8 im Bletchley Park, kurz Einblick in die Verurteilung in Manchester gibt kein wirklich rundes Bild über das Leben des herausragenden Mathematikers. Begebenheiten scheinen wegrationalisiert oder romantisiert - und wenn ich am Ende eines Filmes, in der es dann hauptsächlich um die Entschlüsselung Enigmas geht, noch nichtmal wirklich begriffen habe, wie das jetzt genau von statten ging, liegt das nicht zwangsläufig an mir.
Fünf der besten Wissenschaftler des Landes drücken an der Entschlüsselungsmaschine an Knöpfen, die Maschine rödelt, gebanntes Starren und Warten, Cumberbatch intoniert "Come on, come on", und tatsächlich, öha, die Maschine hört auf zu rödeln, alle starren, ehrfürchtig, Stille, bis einer fragt: "Alan, hat es funktioniert?" - Ohne Worte.
The Vue, 28.11.2014, 19:30, mit A. 5.5/10

Interstellar (2014)
Christopher Nolan. Mit dem Arts Picturehouse eines der Kinos in dem der Film auf Celluloid in 35 und 70mm gezeigt werden kann, großartig. Beides Grund genug, den Film zu sehen, wären nur die gesamten 169 Minuten nicht so Banane, die Darsteller nicht so fehlbesetzt: Matthew McConaughey, braucht man fast nichts zu sagen, und was will Anne Hathaway bitte in dem Film? Ein jüngeres Abbild von Sandra Bullock mimen? Ganz andere Liga, schlechter Abklatsch, damit tut sie sich keinen Gefallen. Als einzig überzeugende Besetzungen bleiben die Darsteller von Murph, der Tochter, großartig dargestellt von Mackenzie Foy und später Jessica Chastain (und nicht nur weil die Haarfarbe gut zur ocker-schlammigen Zukunftskatastrophe passt), alle anderen wirkten unglaublich fehl am Platz und eher nach Schaulauf als dargestelltem Charakter (Topher Grace, wirklich? Muss das? Und, ah, huch! Matt Damon! Alfred, eh, Michael Cain? Casey Affleck!). Die Story, so hört man, sei wissenschaftlich akkurat (immerhin das klingt nach Christopher Nolan), aber das interessiert einen irgendwann auch nicht mehr, weil sie einfach ziemlich platt in Szene gesetzt wird. So platt, dass ich mir am Ende des Films erstmal dachte, Schuster bleib bei deinen Leisten = Nolan, bitte hör auf Filme zu machen, in denen dein Bruder nicht das Drehbuch geschrieben hat. Ups. Drehbuch: Jonathan und Christopher Nolan. Verstehe ich alles nicht. Memento, anyone?
Arts Picturehouse, 09.11.2014, 19:00, mit A. + M 4/10

Sonntag, 23. November 2014

Regents Park Theatre ensemble ...


... gibt 'To Kill a Mockingbird' eine Stimme.

Cambridge Arts Theatre, Gastspiel vom Regents Park Theatre. Christopher Sergel: To Kill A Mockingbird. Nach dem Roman von Harper Lee. Director: Timothy Sheader, mit Christopher Akrill, Geoff Aymer, Daniel Betts, Victoria Bewick, David Carlyle, Natalie Grady, Jamie Kenna, Phil King, Susan Lawson-Reynolds, Zackary Momoh, Ryan Pope, Christopher Saul, Connie Walker, Jemima Bennett / Rosie Boore / Ava Potter, Harry Bennett / Arthur Franks / Billy Price, Connor Brundish / Leo Heller / Milo Panni. Designer: Jon Bausor. Composer: Phil King. Et al. Foto © Regents Park Theatre Am 20.11.2014, mit A.

Samstag, 15. November 2014

Being a true Bavarian ...

... you can especially make her happy when talking about beer.

Hopfen (Humulus Lupulus): Dolde, Hallertau, LuckyStarr, 2006, Wikipedia

So ich über mich in meinem Firmensteckbrief. Und zu Recht, finde ich mich denn beim googlen nach dem Fun-Fact begeistert auf dieser Seite wieder: The best of beer pairing, einem Artikel, der Bars und Restaurants in Hong Kong vorstellt, die ausländische Bier (und Ess-)kultur in Ehren halten. Da kann Deutschland nicht fehlen, und mir geht das Herz auf. Welches Genie kommt denn auf den Gedanken, deutsches Bier mit Haiku zu vergleichen! Die Beschreibung der deutschen Esskultur als einer, die sich am Bier entwickelt hat! Zitrusnoten! Honigglanz! Dunkles Karamel!

Leid tun mir nur wiedermal die dargestellte Biermarke auf den Fotos (Paulaner), und dass die Beschreibung wie immer nicht die deutsche, sondern wirklich rein die bayrische Bier- und Esskultur aufgreift. Nicht dass die nicht überlegen wäre (Ha!), aber dann sollte man das Kind schon beim Namen nennen (nur vielleicht nicht gerade Herbert ...). Einige Blüten folgen, den Absatz in dem die wirklich urdeutsche Käskrainer zusammen mit der Weißwurscht auf der wahrscheinlich abendlich servierten Wurstplatte landet hab ich mal unterschlagen:

Perhaps no country on earth takes beer more seriously than Germany and they have been taking it seriously for a long, long time. In fact, the oldest food and beverage law still enforced is the Reinheitsgebot, or German Beer Purity Law of 1516, which stipulates exactly how German beers are to be made and which ingredients can be used.

If you're the type that likes a pumpkin spice IPA after work, German beers may not be for you. In fact, according to the law, German beer can contain only three ingredients: water, malt and hops.

If that sounds boring, just wait until you taste it. Just as the strict restrictions of haiku allows Japanese poets to reach unlimited heights of beauty, the limitations of the Reinheitsgebot have spurred Bavarian brewers - often the same families brewing the same style of beer for hundreds of years - to produce greater and greater beers: crisp and clean with pristine flavours and perfect balance.

German food has evolved over the years to be eaten with beer. In fact, many German dishes are cooked with beer. (...) the sourness of the sauerkraut brings out the citrus notes in the ale. (...) the sweetness of the beer complements the light honey glaze on the ribs.

Herbert Hofer, Brotzeit's general manager, explains that Germans are very seasonal in their beer drinking habits, preferring darker stronger beers in winter, and sticking to lighter ales in summer. With winter right around the corner, if you want to follow their example give the Original Münchner Dunkel Lager (HK$75) a try, or the Dunkel Hefe-Weissbier (HK$75), a dark wheat beer in which the sweetness of the wheat has mellowed into a deep caramel. - CL
(In: South China Morning Post: The best of beer pairing, text bz Charley Lanyon, Bernice Chan and Mischa Moselle)

Donnerstag, 6. November 2014

First Week Impressions


Die Bottroper Umzugsjungs lassen die Beine aus dem Kleintransporter heraus baumeln, die ersten Möbel und Kisten stapeln sich vor unserer Wohnung, ich biege schwer bepackt mit den Wohnungsschlüsseln um die Ecke - Einzugspunktlandung.
***
Im Regen quer durch die Cambridger Innenstadt zum Gottesdienst. Die Kirche wie aus einem Traum, mit holzgeschnitztem Innenbereich, kunterbunt, gotische Säulengebilde, wunderschöne Gesänge. Angekommen, wirklich.
***
Direkter kann der Anschluss gar nicht sein - der Nachbar ein Mitgründer der Cambridge Wine Merchants, Grund Nummer 28, warum man von Cambridge über alle Maßen verwöhnt wird.
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Seit Wochen erstmals ohne Wecker schlafen, dennoch früh raus, weil auch früh ins Bett - aber die Nacht genossen, in vollen Zügen.
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Erstmals den Notausgang zur Feuertreppe aufmachen und über allem stehen, tief durchatmen, frei sein.
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Abends mit einem Gläschen Wein im Mädeli*-Zimmer im Dunkeln auf einem Hocker sitzend aus dem Fenster schauen, auf das weiße Cottage-Häuschen gegenüber, Straßenlampen die sich in den Wellen des Cam spiegeln, der Blick schweift über Jesus Green hinweg, vereinzeltes Feuerwerk am Horizont - ja, genau so hatte ich mir das vorgestellt, das will ich haben.
* Name von der Redaktion zur Unkenntlichkeit verändert.
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Mit dem neuen Chef im Pub und natürlich beschränke ich mich darauf, nur die wirklich unverfänglichen Themen in Gänze abzudiskutieren: Königshaus, Religion, Hacker, den Chaos Computer Club, Snowden, Frauengleichberechtigung, Kindererziehung. Dank dem Menschen, der mein Leben nicht gerade unwesentlich verändert hat.
***
Weitere neue Kollegen zur Grippeimpfung kennen gelernt - die nette Spanierin aus Finance und Controlling, die freundliche Kollegen, die gegenüber sitzen wird und in anderer Abteilung für den gleichen Chef arbeitet und auch neu ist, der schmunzelnde Engländer aus dem Development Team. Das kann man auch schlechter treffen.
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Nachdem alle wichtigsten Terminpunkte abgehakt sind mal einen Tag verschluffen aka archivierte Sonntagsfilme auf Youtube gucken, ohne Scham, stundenlang.
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Die Freundin aus Bristol ruft an, im gleichen Land miteinander telefonieren, wie schön.
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Zwischen den Ruderanfänger und ihren Instrukturen zwischenrum joggen - die einen im Boot auf dem Fluß, die anderen auf der Uferpromenade am Fahrrad mit dabei, ich verhuzelt dazwischen.
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Auf dem Weg zum Aldi feststellen, dass Google Maps einen gerne um die Friedhöfe drum herumführt, auch wenn der eigentlich kürzeste Weg mitten durch verläuft. Alte, verwitterte Grabsteine, englische Familien, ganz enges Cambridge. Wirklich wunderschön, und wer's noch nicht weiß: Ich liebe Friedhöfe.

Freitag, 31. Oktober 2014

Twitter Timeline 10/14

Inventory & Schedule of Condition

Beim Einzug in die Wohnung haben wir eine Inventory List bekommen - oder genauer gesagt ein Inventory & Schedule of Condition, das uns detailliert erörtert, in welchem Zustand wir die Wohnung vorfinden sollten. Misstände, Ungereimtheiten, Fehlendes kann dann innerhalb von fünf Tagen noch nachgemeldet werden, danach gilt's und wird wohl zum Auszug wieder abgeglichen.
Auf vollen 21 Seiten listet das Ding 158 verschiedene Bestandteile der Wohnung, hinzu kommen Fotos der "White goods" (Herd, Kühlschrank, Abzugshaube etc.) und des Geschirrs; Besteck, Teller, Töpfe und Co sind hier nicht einzeln gelistet, sondern tatsächlich nur fotografiert. 158 Einzelteile in einer kuschligen, teilmöblierten bedroom-reception-study Wohnung sind schon eine Hausnummer - aber machbar, wenn man vom Türrahmen zur Telefondose über den Klopapierhalter alles dokumentiert. Und wenn man zusätzlich auf optischen Effekt und Zustand eingeht, dann sind auch 21 Seiten schon mal drin. Das Ganze scheint ein eigener Berufszweig zu sein - ein Disclaimer zu Beginn des Dokuments weist mich darauf hin, dass ein 'Inventory clerk' die Liste angefertigt hat. Dieser ist zwar weder amtlicher Inspektor noch Fachmann für Materialkunde oder irgendeines beliebigen anderen Gebiets aber glücklicherweise Experte im Erstellen eines 'Inventories': "... the Inventory Clerk is not an expert in any field other than that of producing an Inventory." Respektabel.
Ich mag unsere Wohnung auch nach der ersten Woche immer noch sehr, es ist die oberste Etage eines alten viktorianischen Hauses, mit okayem Teppichboden, nicht modrig, nicht muffig, sehr hell, mit Blick auf den River Cam und den naheliegenden Park, zentral gelegen und bezahlbar trotz des kleinen extra Zimmerchens mehr, auf das wir notfalls auch verzichtet hätten. Würde ich die Wohnung nur von der Liste her kennen, wäre ich allerdings möglicherweise beunruhigt; einige Stellen sind großartig informativ (wo sind Kabelanschluss, Gas & Elektrozählerstände, Isolationschalter), die meist anderen listen Missstände.
Gefühlt jeder dritte Eintrag vermerkt 'consistent with age' (age? viktorianisches Stadthaus!), gern umgeben von '(light) chips in places', 'spot marks', '(lightly) tarnished', 'gaps to joins', 'squeeking boards', 'scuffed', '(slightly) loose', 'inoperative', 'half ring burnt mark', 'cracked', 'screw holes', 'stained', 'chipped', 'debris', 'light wear', 'crack', 'veneer cracking', 'misaligned on wall', 'small holes', 'paint marked', 'worn', 'lid missing', 'detached', 'dirty finger marks', 'discoloured', 'broken', 'worn to all areas'. Meine Lieblinge allerdings: 'Unable to close into frame' (da gehts um unsere Schlafzimmertür!), 'Length of cable protruding behind curtain rail baton to left of window' (Da lugt ein nicht identifiziertes Kabel in Augenhöhe hinter dem Vorhang hervor) und unschlagbar: 'large hole to ceiling with cabling coming through'. Ich werf mich weg. Was mag ich diese Wohnung.

Dienstag, 28. Oktober 2014

First things first


Mitglied der örtlichen Leihbibliothek zu werden stand nun nicht gerade weit oben auf meiner Todo-Liste; na ja, tatsächlich stand es gar nicht auf meiner Todo-Liste. Schließlich sind in den Umzugskartons hauptsächlich Bücher und DVDs gelandet, die ungelesen bzw. ungesehen sind; da ist der Bedarf verständlicherweise erstmal gering. Dennoch: 48 Stunden im neuen Land und ich bin im Besitz eines Ausweise für die public library.
Denn: In der public library kann man Dokumente ausdrucken. Unendlich wichtige Dokumente, die man braucht, um ein Bankkonto zu eröffnen, und die man unglücklicherweise in der alten Heimat liegen lassen hat. Das ganze hat nur einen klitzekleinen Haken, da das Drucken nur für Mitglied zur Verfügung steht. Ob ich denn Interesse hätte? Eh, klar, warum nicht. Was es kostet? Nichts. Was man dazu braucht? Sachen, die man praktischerweise eh grad dabei hat, da man ja auf dem Weg ist, das Bankkonto zu eröffnen: Reisepass, sowie den benötigten Wohnungsnachweis ("Utility bill, not yet, sorry. But maybe the agrement between landlord and tenant concerning the property would suffice?"). Schön. Und einen local branch um die Ecke gibt's auch.

Montag, 27. Oktober 2014

Angekommen.


1) Mit dem National Express nach Cambridge.
2) Über Nacht im Damenschlafsaal im empfehlenswerten YHA Cambridge Backpackers Hostel im mir noch bislang unbekannten Bahnhofsviertel, die wirklich schnuckelige Mill Road entlang.
3) Ale und Chips, weil Essen nur bis vier, im okayen Salisbury Arms , deshalb 4) dann doch Fish und Chips im YHA.
5) Die Möbelpacker räumen die Wohnung voll. Das leider nur ein Bruchteil. Inzwischen gibts gerade mal noch schüchterne Schlängelwege im Wohnzimmer um zur nächsten Tür zu kommen.
6) Direkt vor der Tür: Der River Cam.
7) Aldi in England, der Weg dahin führt durch 8) ein typisch englisches Wohnviertel, inklusive Friedhof.
9) Unser typisch englisches Wohnviertel. Schmilz.
10) Angekommen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Perspectives


(Aus dem Firmensteckbrief)

I like...

Dolorous Edd | Portland | Ulysses | rain and thunder | happy-silly music | outtakes | Shenja Lacher | my bike | Biergärten | Shell | Ólafur Arnalds (and all other Ólafurs) | Olli Schulz | moments (lots of them) | funny dedications (to Oma Gretel) | Rorschach | Twitters fail-whale | Saša Stanišić | Goatcheese | when musicians on stage share fun with each other and than catch themselfes (being in public) | drums | Marvin | Trees, especially old ones | Kleist | Running (and talking about it) | not talking | TVNoir | Chaos Communication Congresses | Kaltmamsell | watching sports live | Firefly | when songs remind one of specific moments in life | Kurt Vonnegut | BJJ | skirts | Berge (the real ones not so much) | Getting things done | Pubs | Vim | the Guggenheim in Venice | xkcd | Erlangen | backpacking | Markus Wiebusch | Südstadt | stumbling upon stuff | the outer hebrids | Bento-Boxes (conceptual) | Libraries & book stores | blinking lights | The Good, the Bad and the Ugly | Orion | Fridays | watching movies in their original language | Wolfgang Herrndorf | Lugana | really, really bad jokes | beer | plants (without blossoms) | binge watching | Westend | Exploratory Testing | roof top terraces | Vetinari |

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Coming back is not the same as staying


Art under bridge - ‘terugkomen is niet hetzelfde als blijven’ / ‘coming back is not the same as staying’ (2006) It is a line from a poem of Belle van Zuylen; Made by Regina Verhagen Singel and Prins Hendrikkade; © Living in Amsterdam, 2013

Verstreute Menschen sehen, auf der Hochzeit in Essen | Altvertraute Menschen sehen, die das Leben verändert haben, auf der Hochzeit in München | Den Abend mit dem Besten Freund in egal-wo und man redet über lauter andere Sachen | Die Neffen, beim Malen und Lesen und zu Bett gehen | Den Bruder im ihm eigenen Humor und die liebe Schwägerin beim Spieleabend | Auf der Hackerbrücke, mit Bier, mit dem Schatz | Im e-caffè mit einem der Menschen, die nochmal richtig Nahe kamen und soviel bewegt haben | Im Ryan's lachen über meine Non-Performance beim Vorstellungsgespräch | Die Nachrichten der früheren Mitbewohnerin, mit Du-Bedarf | Das fröhliche Lachen des kleinen Patenkindes, beim Entgegenkommen | Der Blog der Freunde: C+B = Welt | Das Foto vorm Rechner, der erste Flug in die neue Heimat gebucht, das Augustiner davor | Der Zuspruch von Bekannten, die die Branche kennen | Das Mittagessen mit dem aktuellen Chef, dankbar gerührt, so groß | Die ungarischen Kollegen und die kleinen Nachrichten über Skype, das Abschiedsgeschenk, kleine Sätze die so viel Freude machen | Die Nachrichten der wichtigen Menschen: wir sehen uns noch so oft wie geht | Der Wochenendbesuch beim besten Freund, und es gibt Schweinbraten und man meldet sich vorsichtig für's nächstjährige Ripperlessen an | Die Hackerbrücke am Abend, am Morgen, für Fußgänger frei zur Wiesn | Die Tage in Florenz mit der besten Mutter der Welt | Im Ennepe-Ruhr-Kreis mit den Schwiegereltern und der Familie des Schwagers | Die Platte von Markus Wiebusch - Schwimmen für den Londonflug und den Platz daneben | Die Begeisterung und der überbordende Enthusiasmus und Optimismus vom Schatz | Das richtige Gefühl | Die alten Kollegen, beim Frühstück zum Besuch aus Berlin, beim Feierabend-Bier im Mariandl | Die Kunstakademie, wieder mal | Der Sommer in München | Augustiner Biergarten mit alten, vertrauten, lieben Freunden | Die Schnecke im Westend, der große Platz, auf der Halfpipe mit Schuhe aus | Die Kaltmamsell, auf der Straße, im eigenen Viertel, welche Freude | Die Weinprobe mit Genießern in Neuhausen | Pasta Pesto im Josefa | Ehemaliges Stoa und Ca-Va mit den Freunden aus dem Viertel | Der Urlaub mit Freunden, darunter die wichtigsten | Lauschige Zeiten mit den Doktorandenmädels | Lasagne bei der Lieblingsfreundin | Abschiedsessen und Sekt mit den Chefs | Sonnenuntergänge an der Hackerbrücke | Wiebusch im Ampere singt vom "Flug nach London und dem Platz daneben" | Abschiedsparty mit Freunden aus allen Lebenslagen | Abschiede, die schwer fallen, unendlich | Dankbarkeit für das, was man hier hat.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Erlend Øye


Da fällt einem nix mehr zu ein. Erlend Oye, mit dabei bei Röyksopp, später 50% von Kings of Convenience, noch später The Whitest Boy Alive, zieht dann irgendwann nach Sizilien, macht auf einmal fröhlich-italienische Popmusik um sich dann mit einer isländischen (!) Reggae (!!) Band zusammen zu tun. Der Mann kann machen was er will, immer großartig.
Erlend Øye & the Rainbows, Alte Kongresshalle, 08.10.2014, mit A. & O.K.

Dienstag, 7. Oktober 2014

MOUNTAIN-Biken

Samstag, 4. Oktober 2014

Linux - random notes

* Linux supports Multiuser and Multitasking
* devices can be found at /dev
* However, USB-Sticks and such rather at /media
* there are pseudo-devices with no hardware (e.g. /dev/null)
* Users have a unique UID; the root UID is generally 0

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Twitter Timeline 09/14


Sonntag, 28. September 2014

Ich muss was erzählen.


Wenn mich Menschen, Freunde, Bekannte, Familie fragen, wie es mir geht, kommt von mir seit Jahren: alles gut, wie immer, nichts Neues. Zur Zeit ist das anders - zur Zeit kommen Menschen oft gar nicht mehr dazu, mich zu fragen, wie es mir geht. Denn zur Zeit komme ich, und muss was erzählen: Wir ziehen nach Cambridge. Und das ging so:

7.Mai: "Cambridge?"
In meiner Twitter Timeline taucht ein Jobgesuch für Tester auf. Ich lese es fast im vorbeigehen, und bin weggeblasen. Der Tab bleibt tagelang im Browser offen, ich erzähle dem Schatz davon und fange an mir das Umfeld anzusehen: Cambridge, Forschungsnähe, tolles Arbeitsgebiet, der Job klingt immer besser und geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

30.Mai: Die Gang.
Mit der Gang auf Fahrradtour werde ich gefragt, was es so Neues gäbe und während wir durchs Altmühltal radeln teste ich wie sich das anfühlt: Ich erzähle, dass ich überlege, mich auf einen Job in Cambridge zu bewerben. Keine Wellen der Empörung brechen ein, die wichtigste Freundin gibt ihren Segen, ich verbleibe mit: versuchen kostet nichts.

Juni: Beer Mat.
Weltmeisterschaftsmonat. Zaghafte Versuche, einen englischen CV zusammenzustellen; es müht, allein die deutschen akademischen Begriffe passend ins englische zu transferieren. Die Jobanzeige derweil ist standhaft und verliert nichts von ihrem Glanz. Ein Abend mit dem Schatz entscheidet alles: wir sitzen gemeinsam vor der Anzeige, lesen Kontexte, feilen an der Bewerbung, haben Spaß und können uns das alles sehr, sehr gut für uns vorstellen.

07.Juli: Jetzt ihr.
Ich schicke die Bewerbung ab, und ab jetzt wird alles sehr schnell gehen.

15.Juli: Interview (I)
Der Marathon beginnt mit einem Telefoninterview, bei dem ich unglaublich nervös bin und gleich auf die ersten Fragen keine Antwort weiß (Kündigungsfrist? Gehaltsvorstellung?). Am anderen Ende der Leitung der mögliche Chef, der wohlwollend bleibt und eine Reihe an Fragen stellt, die ich mal zureichend, mal tapsig beantworte und mir wie immer vollkommen in die Karten schauen lasse. Am Ende freue ich mich einfach über die Erfahrung, über die Selbstbestätigung, dass Testen der Job ist, den ich machen will, über das schöne Englisch und die überragende Höflichkeit am anderen Ende der Leitung. Ich wünschte nur, ich hätte sowas mal üben können, statt so unvorbereitet in Bewerbungsgespräche zu gehen, für Jobs, die man wirklich gerne hätte.

16.- 21.Juli: Testing the Tester
Ich bin eine Runde weiter und bekomme übers Wochenende einen Test zugeschickt. Das Timing ist perfekt, der Schatz zum Junggesellenabschied in Amsterdam, die wichtigsten Freunde aushäusig. Privat halte ich mich bedeckt, nur der Schatz und die Freundin wissen, dass das erste Gespräch schon durch ist und die ganze Sache im Fluss. Ich arbeite gute 16 Stunden an dem Test, fühle mich gefordert, entwickle Ideen, probiere Methoden aus, schreibe ein Skript. Der ganze Test reflektiert die Stellenausschreibung, ich habe das Gefühl, viel gelernt zu haben, nur gewinnen zu können und freue mich sehr.

23. Juli: Interview (II)
Ich begegne der Kaltmamsell, auf der Straße, auf dem Weg nach Hause, was ich nur als gutes Omen werten kann. Dann das zweite Interview: Wir besprechen den Test via Videokonferenz, und ich bekomme zum ersten Mal Gesichter zu sehen. Als der mögliche Chef auf meine Disclaimer (Kündigungsfrist, Gehaltsvorstellung) mit Humor reagiert, entspanne ich mich und das Amüsement, das vorherrscht, hilft, mich durch das Interview zu tragen. Dass mir diese beiden schlauen Menschen dann mit Interesse live beim Testen zusehen, ehrt mich sehr; es ist zu Ende des Gesprächs und ich habe keine Chance, nervös zu sein, bin selber neugierig darauf, das Erarbeitete jetzt anzuwenden. Ob ich immer noch an dem Job interessiert sei? Immer mehr, das hier macht grad alles überraschend viel Spaß.

24.Juli ff.: Ich muss was erzählen.
Flüge werden für mich gebucht und ein Unterkunft und ich beginne den wohlmeinenden Menschen und der Familie zu erzählen, wie konkret das Ganze inzwischen ist. In mir drin macht sich derweil die Panik breit.

4.August: Cambridge.
Cambridge ist sonnig und wunderschön, und seine Menschen plaudern überaus freundlich mit mir. Mein möglicher Chef geht mit mir auf ein Bier und einen Tag später bin ich im Büro zum persönlichen Interview. Die offizielle Atmosphäre und diese klugen, feinen Menschen mit ihren Cambridge PhDs machen mich absolut fertig; vor dem inneren Auge zerspringe ich in tausende Einzelteile (Amelié, anyone?) und kann mich nicht mehr vernünftig zusammensetzen. Dass alle so unglaublich freundlich sind, macht mich nur noch verschämter und der Schatz muss sich abends um ein kleines Häufchen Elend kümmern.

5.August: Hoppala.
Ich hab den Job. Wir gehen nach Cambridge.

Mit Dank an den Schatz, ohne dessen Bereitschaft und Enthusiasmus das alles nie passiert wäre. An Freunde und Familie, die helfen, unterstützen, sich freuen, es gut heißen, in den sauren Apfel beißen, den ersten Flug buchen. An das Verständnis, dass das ein Lebenstraum ist, der schon seit Jahren in mir schlummert und den ich froh bin, wahrnehmen zu können, egal wie es ausgeht. An all die kleinen Zeichen, die mir Mut und Hoffnung geben - den Regen, die Steine, die Menschen, die Wahrheit. Und an die Ecken und Enden in München, die es einem so einfach machen, zu wissen, dass man hierhin immer wieder zurückkommen wird.

Freitag, 26. September 2014

makedevelopersrealizetheyarenotthecenteroftheuniverse


Check. Mit unendlichem Dank an meine ungarischen Kollegen.

Montag, 15. September 2014

Twitter Timeline 08/14

Mittwoch, 10. September 2014

Kickerteam 2014/2015

Sonntag, 31. August 2014

Meine Stadt! Mein Viertel! (noch!)

"MUNICH is a major destination for beer lovers, history buffs and music fans, but lately the Bavarian capital has been recognized as a great place to live. Monocle magazine ranked it the world’s most livable city in 2007, citing its high-quality housing, low crime and “general feeling of Gemütlichkeit.” Its public transportation was recently deemed Europe’s best by a leading automobile club. And its storied beer culture is so ubiquitous that Lufthansa just installed its own beer garden at Munich airport. [...] Munich’s newfound livability can be summed up in the Schwanthalerhöhe, a k a the Westend, a mixed-use neighborhood with an attractive blend of artists’ studios, cafes and immigrant communities."

-- Evan Rail: 36 hours in Munich. 13. April 2010, The New York Times.

Sonntag, 24. August 2014

Samstag, 16. August 2014

Triest (Ferragosto)