Samstag, 5. Dezember 2015

My five thoughts on reading, more


Melissa Grimes: Far from the Madding Crowd (flickr)

Nachdem das letzte Jahr ein reines Lesedisaster war (fuenfzehn Buecher. Fuenfzehn!), sieht dieses nur wenig besser aus, allerdings hat sich seit dem Urlaub einiges in die richtige Richtung getan. Das beherzen einiger guter Gewohnheiten hilft, erinnert und bestaerkt durch zwei Artikel, die ich aus dem Internet geklaubt habe - das geht soweit, dass ich zu Beginn des Wochenendes schon mehr als zur Haelfte durch den Romanklassiker durch bin, den ich erst Sonntag abend zuvor angefangen hatte.

Carry a book with you at all times.
Das war mir eigentlich schon ins Blut uebergegangen¹, hatte es aber ueber die letzten Monate vernachlaessigt - ich radle in die Arbeit, und in der Gemeinschaftskueche kann man schlecht beim Essen ungestoert lesen, ohne allzu unhoeflich zu sein; ausserdem lagen dort immer Zeitungen, denen ich auch gerne Zeit widmen wollte. Nachdem ich aber eine Lieblingskollegin beobachtete, wie sie in der Mittagspause mit Buch durch den anliegenden Park schlendert oder lesend in der Sitzecke vor dem Buero verbringt, habe ich das revidiert - meine Mittagspausen sind ohnehin zu kurz, und sich 15 Minuten nochmal mit Buch irgendwohin ungestoert zurueckzuziehen ist absolut drin.

Make the time because it is really important.
Lesen ist sicher eines der definierendsten Dinge ueber mich, von klein auf. Buecher machen mich gluecklich, allein der Anblick gibt mir ein warmes, frohes Gefuehl im Bauch. Steck mich in einen Buchladen, und du kannst beobachten, wie ich mich sichtlich entspanne, aufatme, laechle, geniesse. Wenn ich ein geliebtes Buch verliehen habe, dann fehlt etwas an mir. Mein Buecher in Deutschland fehlen, fehlen sehr (aber sind bei meiner Mutter in guten Haenden!). Ein Gespraech ueber (gute) Buecher erweckt mich zum Leben. Es gibt eine Liste an Dingen, Betaetigungen, von denen ich gelernt habe, dass ich sie brauche, um gluecklich zu sein, fuer die innere Balance, die Seelenruhe. Auf der Liste ist nicht sehr viel drauf, aber Lesen ist dabei. Lesen von guten Buechern macht etwas mit einem - es veraendert, praegt, lehrt. Lesen ist bisschen wie Sport fuers Gehirn. Lesen ist wichtig, fuer mich und wert meine Zeit: "They kept me sane ... It’s that it is part of the human experience. It helps you find meaning, understand yourself, and make your life better."

Every time you get a second, read.
Auch hier, bisschen wie beim Sport - alles ist leichter, wenn es Gewohnheit ist. Der Automatismus, statt sich zu langweilen, nach dem aktuellen Buch zu greifen. Weil man es ja dabeit hat. Weil man staendig liest. Und deshalb die Geschichte Teil vom eigenen Leben ist. Weil man mehr davon haben will, weil man drin ist. Weil man nicht drueber nachdenken muss, sondern es einfach macht, ohne Kraftakt, ohne Selbstdisziplin aufbringen zu muessen, einfach weil man will. "Reading must become as natural as eating and breathing to you. It’s not something you do because you feel like it, but because it’s a reflex, a default."

Keep a reading log.²
Oder jegliche sonstige Aktivitaet, die zum Lesen anspornt. Schreiben ueber Lesen, zum Beispiel. Schreiben ueber Buecher. Listen machen, von Buechern. Denken ueber Buecher, Stoebern in Buechern, sprechen ueber Buecher. Gelesene Buecher von Listen abhaken. Menschen beim Lesen beobachten (oder Gilmore Girls gucken). Ein Jahresprojekt draus machen. Lesen ueber das Gelesene - ueber den Kontext des Buches, des Autors, verwandte Buecher, aus der gleichen Zeit, dem gleichen Land, aehnliche Buecher, ganz andere Buecher. Kenn deine Literaturgeschichte. Andere vermerken, sie lesen erst alles von einem Autor den sie moegen, dann alles, was dieser Autor gelesen habe. Und wahrscheinlich ist der Rat, sich schon beim zu Ende lesen des aktuellen Buches zu ueberlegen was das naechste wird, nicht verkehrt - denn ich schreibe gerade, weil ich mir nicht sicher bin, was ich als naechstes lesen mag.

Find the right time for a book (and vice versa).
Viele raten dazu, eine Stunde frueher ins Bett zu gehen und zu lesen - was dem Lesen und dem Schlafen gut tue. Das lag mir im Erwachsenenalter lange weniger. Also bemuehe ich mich inzwischen eher generell, Zeit zu finden, und dann Zeit und Buch aufeinander abzustimmen. Zum Beispiel den Morgen unter der Woche fuer sinnvolles zu nutzen, bevor ich in die Arbeit gehe - laufen, bloggen, emails schreiben, buchen, oder eben: lesen³. Gleichzeitig versuche ich, mich zu entblocken vom nicht-vorwaerts-kommen, weil man ein Buch zur falschen Zeit liest. Aus der aktuellen Leseerfahrung gibt es eben von Buecher, die mehr Konzentration und Aufmerksamkeit verlangen (Borges: Fictiones) und andere in die man sinkt wie in einen guten, langen Lauf (Hardy: Far from the Madding Crowd). Darauf zu reagieren was wann geht, und was wann nicht, hilft - Borges in der Mittagspause oder zum Einschlafen? Zu dicht. Hardy oder Le Carré? Absolut.

Auch, und zitiert:
* Ryan Holiday: How To Read More — A Lot More
* Austin Kleon: How to Read more

1) Und nicht nur ich: Mit zwei lieben Freunden vor Jahren im Backstage auf einem Konzert, sprechen wir ueber Buecher und obwohl wir alle situationsgemaess auf Handtasche, Rucksack und jeglichen ueberfluessigen Ballast verzichtet haben ziehen wir zeitgleich das jeweils mitgebrachte Buch hervor - der Germanist hat fuer solche Gelegenheiten natuerlich was tragbares im Regal!
2) Mein "reading log" datiert uebrigens mindestens 20 Jahre zurueck, und ist wieder etwas gehaltvoller geworden, seitdem ich nicht mehr studiere.
3) Wie der kanadische Lieblingskollege, der zum morgendlichen Standup regelmaessig zu spaet kam, und vermerkte, das laege nicht daran, dass er zu spaet aufstehe, sondern daran, dass er morgens recht frueh aufstehe, um noch zu lesen, und dann aber das Buch oft nicht rechtzeitig weglegen koenne.

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