Freitag, 29. Januar 2016

Januar: Geister, Zigarettengespraeche, Fussballsoziologie



1) Toni Morrison: Beloved**
Gute Literatur schafft es, einen zu ueberraschen, und dieses Buch zeigt das nachdruecklich. Ich habe nicht ganz leicht in die Geschichte reingefunden, weil sie zu Beginn gewollt etwas obskur ist (worueber das ungemein zugaengliche Vorwort der Autorin massiv hinwegtaeuscht). Mir fiel es zudem schwer mich in dieser Welt und der Sprache der unterdrueckten schwarzen Minderheit im Amerika des 19. Jahrhunderts zurechtzufinden, und habe festgestellt, wie wenig ich sie kenne. Aber das Durchhalten lohnt, bald nehmen die Orte und Figuren Gestalt an und das Ganze beginnt Sinn zu machen, ohne berechenbar zu werden. Ich mochte am Ende besonders die Perspektivwechsel, die den etablierten Erzaehlton durchbrechen, ohne die Einheit des Buchs zu zerstoeren - das wie ich finde wirklich zu recht gelobt wird, ein moderner Klassiker, wert den Pulitzer, den es gewann.

2) Helmut Schmidt, Giovanni di Lorenzo: Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt*
Politik zum Wegsnacken - und ich meine das nicht negativ. Wollte ich schon lange lesen, jetzt von den Schwiegers zu Weihnachten bekommen, wunderbar (und wie schoen, geschenkte Buecher direkt wegzulesen!). Immer noch vieles aktuell, obwohl die Gespraeche um 2008 entstanden sind. Eine der grossen Figuren im Nachkriegsdeutschland, mit Meinung, die er auch vertrat, egal was, und irgendwie ist die Welt bisschen leerer und bedrohlicher ohne Figuren wie ihn.

3) Nick Hornby: Fever Pitch**
Als Klassiker der Fussballliteratur bezeichnet, der das Genre erst so richtig begruendet habe. Das von einem Freund, der das wissen muss - Germanistikabsolvent und Sportredakteur. Deshalb auch fuer die England-Liste ausgesucht, und jetzt auch gelesen, um vielleicht ein bisschen Einblick in den englischen Sport zu bekommen. Das gelingt - wobei es eher um Fankultur, Soziologie und Verhalten geht als um Fussballdaten, oder anders herum, ersteres ist mir verstaendlicher, bei den Fussballdaten sagen mir die meisten Spieler einfach zu wenig, als dass viel haengen bliebe, Hornby ist halt 20 Jahre aelter. Das Buch erschien 1992 und deckt etwa zwanzig Jahre Fussball ab (Arsenal, etwas Cambridge United), den ich wiederum erst seit 1990 bewusst wahrnehme. Eine Ausnahme: Niall Quinn, der spaeter als Sunderland Manager in Erscheinung getreten ist, eh klar. Wunderbar zu lesen, ungemein zitierbar, und dass er ausgerecht Arsenal (mag ich, Per Mertesacker, das Stadion sehe ich immer, wenn ich nach London reinfahre gen Kings Cross) und daneben Cambridge United in den Focus nimmt, ist natuerlich perfekt.

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